Gideon Levy, Haaretz, 29.Juli 2026

Verfügte die internationale Gemeinschaft über eine funktionierende Justiz, stünde Katz auf der Fahndungsliste der meistgesuchten Verbrecher der Welt.
Verteidigungsminister Israel Katz prahlt für sein Leben gern mit seinen Kriegsverbrechen. Es gibt praktisch keines, auf das er nicht stolz wäre, kaum ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, mit dem er nicht gedroht hätte. Wie ein kleiner Ganove brüstet sich Katz gleichermaßen mit den Verbrechen, die er zu verantworten hat, und mehr noch mit jenen, mit denen er nichts zu tun hatte. Ein zwergenhafter Geschäftemacher, der den Verteidigungsminister mimt, ohne jeden wirklichen Einfluss, schwadroniert Katz endlos über seine Verbrechen.
So verkündet Katz jedes Mal mit großem Getöse, wenn er der Armee befiehlt, ein weiteres Flüchtlingslager im Westjordanland zu besetzen und dem Erdboden gleichzumachen: „Seht euch die Saat der Zerstörung an, die ich gesät habe.“
Das Timing ist natürlich durchschaubar: Es sind die Likud-Vorwahlen. Doch dass Kriegsverbrechen für seine Basis zur Eintrittskarte in die Popularität geworden sind, zeigt, wie tief der öffentliche Diskurs moralisch gesunken ist.
Der Staat Israel hat größere Kriegsverbrecher gekannt als Katz, doch nie zuvor gab es jemanden, der so stolz auf seine Verbrechen war. Katz hat sogar einen neuen Trend begründet: Hey, seht mich an, einen Kriegsverbrecher, prahlt er. Wählt die Urheber von Transfer und Völkermord. Schämt euch nicht.
Diese Woche gab Katz erneut eine Erklärung heraus, in der er seine Anweisung hinausposaunte, ein weiteres Flüchtlingslager im Westjordanland zu besetzen und seine Bewohner zu vertreiben. So ist das, wenn Verbrechen normalisiert und legitimiert worden sind. Hier wurde kaum jemand zur Rechenschaft gezogen, als Israel im Januar 2025 rund 20.000 Bewohner aus dem Lager Dschenin vertrieb und es zerstörte und kurz darauf zwei Flüchtlingslager in Tulkarem dem Erdboden gleichmachte. Das Leben Zehntausender Menschen – zum allergrößten Teil arm, mittellos und unschuldig – wurde zerstört.
Muss man daran erinnern, dass es sich um Flüchtlinge der dritten und vierten Generation handelt, die Israel 1948 aus ihren Dörfern vertrieb, ohne sie je zurückkehren zu lassen? Muss man erklären, dass Israel die Schuld an ihrem Schicksal trägt? Und nun wird ihnen verwehrt, in ihre Häuser in den Lagern zurückzukehren, von denen einige dem Erdboden gleichgemacht wurden. Aus lebendigen, dicht besiedelten Gemeinschaften sind Geisterstädte geworden.
Ich kannte das Lager Dschenin gut. Kein anderes im Westjordanland war ihm gleich, mit dieser Mischung aus Entschlossenheit, Mut und Stolz, gepaart mit Wärme und Großzügigkeit. Ja, das Lager Dschenin, das man ein „Wespennest“ genannt hat. Ja, es gab dort mehr bewaffnete Männer als in anderen Lagern, dazu Werkstätten zum Bau von Bomben. Ich habe sie gesehen. Doch das Lager gab seinen Kampf um die Freiheit nicht auf. Israels Lösung bestand darin, es zu zerstören.
In Nur al-Schams und Tulkarem war es dasselbe: Es gibt sie nicht mehr, ihre Bewohner sind über das gesamte Westjordanland verstreut und hausen seit fast zwei Jahren zusammengedrängt bei Verwandten.
Katz will dieses Pilotprogramm fortsetzen. Balata und die Lager Askar, das alte wie das neue, hat er im Visier. Von dort wird er sich den Lagern im Zentrum und im Süden des Westjordanlands zuwenden, bis von Dheisheh bis al-Fawar kein einziges mehr steht. Und warum nur Lager? Als Nächstes sind die Dörfer und Städte an der Reihe, die ebenfalls Zentren des Widerstands gegen die Besatzung sind. Eine Nakba 2.0, aufgeführt unter dem Beifall der Likud-Vorwahlwähler.
Vor einigen Monaten war Katz zu Gast bei der Konferenz von Kanal 14, wo er verkündete: „in 24 libanesischen Dörfern mit Hunderten von Einwohnern haben wir jedes Bauwerk zerstört, nicht Haus für Haus, sondern ganze Dörfer“. Und über Gaza legte er noch nach: „Orte, an die ihr euch erinnert, wie Schudschaija und Dschabalija, existieren heute nicht mehr. Sie wurden zerstört. Ich sehe keine Häuser, nur den Strand.“ Die Poetik eines Ministers der Auslöschung.
Hätte der Staat Israel ein echtes Justizsystem, wäre Katz beim Verlassen des Saals verhaftet worden. Verfügte die internationale Gemeinschaft über eine funktionierende Justiz, stünde er auf der Fahndungsliste der meistgesuchten Verbrecher der Welt.
Katz ist dazu da, sich über die lächerliche israelische Propaganda lustig zu machen, die der Welt weismacht, Israel halte sich an das Völkerrecht und füge Nichtkombattanten nicht absichtlich Schaden zu. Er liefert den belastendsten Beweis von allen – es braucht weder Menschenrechtsorganisationen noch ein Gericht, um zu ermitteln. Israel zerstört ganze Regionen, Zerstörung um ihrer selbst willen, um die Rache- und Blutgier der Likud-Vorwahlwähler zu stillen.


